15 Jul 2026
BR-Enthüllung: Netzwerk illegaler Online-Casinos zielt systematisch auf deutsche Spieler ab

Eine Recherche des Bayerischen Rundfunks im Rahmen eines internationalen Projekts von Investigate Europe hat ein umfangreiches Netzwerk von etwa 120 nicht lizenzierten Online-Casinos aufgedeckt, das von der in Zypern und Malta ansässigen Soft2Bet-Gruppe sowie deren Gründer Uri Poliavich betrieben oder unterstützt wird; Marken wie Wazamba und Rabona gehören dazu und richten sich gezielt an deutsche Nutzer, obwohl ihnen die erforderliche Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder fehlt.
Umfang der Operation und finanzielle Dimensionen
Interne Dokumente, die im Zuge der Ermittlungen durchgesickert sind, belegen, dass die Plattformen zwischen 2020 und 2024 über 600 Millionen Euro Umsatz generiert haben, während Similarweb-Daten allein für Mai 2026 rund acht Millionen Besuche aus Deutschland nachweisen; die Seiten operieren ohne die vorgeschriebene GGL-Lizenz und umgehen damit die regulatorischen Anforderungen des Glücksspielstaatsvertrags.
Die Untersuchung zeigt, dass die Betreiber aggressive Werbestrategien verfolgen, die insbesondere auf spielsüchtige Personen abzielen, und dass die GGL über begrenzte Durchsetzungsinstrumente gegenüber solchen ausländischen Anbietern verfügt, was die effektive Kontrolle erschwert.
Struktur des Netzwerks und beteiligte Akteure
Soft2Bet mit Sitz in Zypern und Malta fungiert als zentrale Koordinationsstelle für die 120 Casinos, wobei Uri Poliavich als Gründer eine Schlüsselrolle einnimmt; die Marken Wazamba und Rabona gehören zu den prominentesten Beispielen innerhalb dieses Netzwerks, das deutsche Spieler über gezielte Marketingmaßnahmen anzieht, obwohl keine gültige Lizenz vorliegt.
Die internationale Koordination durch Investigate Europe ermöglichte es, länderübergreifende Verbindungen aufzudecken, die auf eine organisierte Struktur hindeuten, in der Umsätze aus dem illegalen Angebot in Deutschland fließen und dabei die nationalen Lizenzvorgaben systematisch missachtet werden.
Datenlage und Nachweise aus der Recherche

Leaked interne Unterlagen dokumentieren nicht nur die Umsatzhöhe von mehr als 600 Millionen Euro im genannten Zeitraum, sondern auch die hohe Besuchsfrequenz aus Deutschland, die laut Similarweb im Mai 2026 bei etwa acht Millionen lag; diese Zahlen unterstreichen das Ausmaß, in dem unregulierte Angebote trotz bestehender Verbote weiterhin genutzt werden.
Die BR-Recherche hebt hervor, dass die GGL zwar für die Lizenzvergabe und Überwachung zuständig ist, jedoch nur eingeschränkte Mittel besitzt, um gegen Betreiber mit Sitz im Ausland vorzugehen, was zu einer anhaltenden Lücke in der Durchsetzung führt.
Auswirkungen auf den regulierten Markt
Das Fehlen einer GGL-Lizenz bedeutet, dass die betroffenen Casinos keine Vorgaben zu Spielerschutz, Werbebeschränkungen oder Steuerabgaben erfüllen; Beobachter der Branche stellen fest, dass solche Netzwerke den legalen Markt unterlaufen und dadurch die Kontrolle über Suchtprävention und faire Spielbedingungen erschweren.
Die Ermittlungen zeigen zudem, dass Taktiken wie personalisierte Ansprache und Bonussysteme gezielt bei vulnerablen Gruppen eingesetzt werden, was die begrenzten Interventionsmöglichkeiten der Behörden weiter verdeutlicht.
Fazit
Die BR-Untersuchung im Kontext von Investigate Europe legt damit ein konkretes Beispiel für die Herausforderungen offen, mit denen die deutsche Glücksspielregulierung konfrontiert ist, da ausländische Anbieter ohne Lizenz erhebliche Umsätze erzielen und die GGL nur über eingeschränkte Handlungsinstrumente verfügt, während Daten aus 2020 bis 2024 sowie aus Mai 2026 das anhaltende Ausmaß belegen. Die vollständige Berichterstattung liefert weitere Einblicke in die internen Strukturen und die verwendeten Methoden.